Boom auf hoher See – doch wohin steuert die Kreuzfahrtbranche? Einblicke vom Kreuzfahrt-Podium der ITB Berlin

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Vertreter führender internationaler Kreuzfahrtreedereien diskutieren auf dem Kreuzfahrt-Podium der ITB Berlin über Zukunftsstrategien, neue Zielgruppen und Nachhaltigkeit in der Branche. Die Diskussionsrunde wurde von John Will moderiert und brachte unter anderem Vertreter von AIDA Cruises, Costa Crociere, Disney Cruise Line, Oceania Cruises, Phoenix Reisen und Cruise Saudi zusammen. (Foto: Pia Thauwald)

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Boom auf hoher See – doch wohin steuert die Kreuzfahrtbranche? Einblicke vom Kreuzfahrt-Podium der ITB Berlin

Die Kreuzfahrtbranche erlebt einen neuen Boom – doch gleichzeitig steht sie vor grundlegenden Veränderungen. Neue Zielgruppen, geopolitische Unsicherheiten und wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen stellen Reedereien weltweit vor große Herausforderungen. Auf dem Kreuzfahrt-Podium der ITB Berlin diskutierten führende Vertreter internationaler Reedereien darüber, wohin sich die Branche in den kommenden Jahren entwickeln wird.
Die Kreuzfahrtbranche gehört weiterhin zu den dynamischsten Bereichen der internationalen Tourismuswirtschaft. Beim mittlerweile zehnten Kreuzfahrt-Podium auf der weltweit größten Reisemesse, der ITB Berlin, wurde deutlich: Die Branche wächst – doch gleichzeitig verändern neue Zielgruppen, geopolitische Entwicklungen und Nachhaltigkeitsfragen das Geschäft nachhaltig.
Moderator John Will führte durch eine hochkarätig besetzte Runde mit Vertreterinnen und Vertretern führender Reedereien und Organisationen, darunter AIDA Cruises, Costa Kreuzfahrten, Disney Cruise Line, Oceania Cruises, Phoenix Reisen, Cruise Saudi sowie die Global Port Holding.
Die Diskussion zeigte eindrucksvoll, wie unterschiedlich sich Kreuzfahrtunternehmen heute positionieren – und wie stark sich das Reiseverhalten verändert.

Unterschiedliche Konzepte für neue Zielgruppen

Die Strategien der Reedereien könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Disney Cruise Line konsequent auf Erlebniswelten rund um ihre ikonischen Figuren und Marken setzt, stellen andere Anbieter Kulinarik, exklusive Destinationen oder klassische Kreuzfahrterlebnisse in den Mittelpunkt.
Phoenix Reisen beispielsweise kann auf eine außergewöhnlich loyale Kundschaft bauen: Rund 70 Prozent der Gäste sind Stammkunden, die regelmäßig wieder an Bord gehen.
Parallel entstehen jedoch völlig neue Märkte mit anderen Reisegewohnheiten. Ein Beispiel ist Cruise Saudi. Das Unternehmen verfolgt das ambitionierte Ziel, bis 2035 rund 1,3 Millionen Kreuzfahrtgäste nach Saudi-Arabien zu bringen und dafür ein komplett neues Kreuzfahrt-Ökosystem aufzubauen – von moderner Hafeninfrastruktur über touristische Angebote bis hin zur Ausbildung neuer Fachkräfte.
Besonders interessant: In diesem Markt gibt es eine ungewöhnlich hohe Zahl sogenannter Walk-ins, also Gäste, die ihre Kreuzfahrt erst am Abfahrtstag buchen – ein Buchungsverhalten, das in Europa eher selten ist.

Kreuzfahrten werden jünger

Ein Punkt, in dem sich alle Podiumsteilnehmer einig waren: Das Publikum auf Kreuzfahrtschiffen verändert sich.
Lange galt die Kreuzfahrt als Urlaubsform für ältere Reisende. Heute entdeckt zunehmend die Generation Z das Reisen auf dem Meer für sich.
Diese Zielgruppe erwartet allerdings andere Reiseerlebnisse. Themen wie Erlebnisdesign, Individualität, hochwertige Gastronomie, Entertainment und flexible Reiseformate gewinnen deutlich an Bedeutung.
Die Branche reagiert darauf mit neuen Konzepten, innovativen Routen und einer stärkeren Markeninszenierung.

Geopolitische Krisen beeinflussen Routen

Neben den Wachstumschancen wurden auch aktuelle Herausforderungen deutlich. Drei Reedereien konnten kurzfristig nicht am Podium teilnehmen, weil sie sich um die Sicherheit ihrer Schiffe und Crews kümmern mussten.
Hintergrund ist die angespannte Lage rund um das Rote Meer, eine wichtige Schifffahrtsroute zwischen Europa und Asien.
Viele Reedereien sind derzeit gezwungen, ihre Routen anzupassen oder gefährdete Regionen weiträumig zu umfahren. Besonders Weltreisen und längere Kreuzfahrten werden dadurch teilweise deutlich verlängert – mit entsprechenden Auswirkungen auf Planung, Logistik und Kosten.
Die geopolitische Lage zeigt einmal mehr, wie eng die Kreuzfahrtbranche mit globalen Entwicklungen verbunden ist.

Nachhaltigkeit: Landstrom als Lösung?

Ein weiteres zentrales Thema der Diskussion war Nachhaltigkeit. Häufig genannt wurde dabei der Einsatz von Landstrom in Häfen.
Landstrom ermöglicht es Kreuzfahrtschiffen, während der Liegezeit im Hafen ihre Motoren abzuschalten und stattdessen Strom aus dem lokalen Netz zu nutzen. Dadurch lassen sich lokale Emissionen wie Stickoxide, Feinstaub und CO₂ deutlich reduzieren.
Doch eine entscheidende Frage blieb offen: Woher stammt dieser Strom eigentlich?
Solange nicht klar ist, aus welchen Energiequellen der Landstrom erzeugt wird, bleibt seine tatsächliche Klimabilanz schwer zu bewerten. Die Diskussion zeigte damit auch, dass Nachhaltigkeit in der Kreuzfahrt weiterhin ein komplexes und vielschichtiges Thema ist.

Bremerhaven stärkt seine Rolle als Kreuzfahrthafen

Für den Kreuzfahrtstandort Bremerhaven selbst gibt es jedoch positive Nachrichten. Das dortige Kreuzfahrtterminal entwickelt sich zunehmend vom klassischen Saisonbetrieb zu einem ganzjährigen Kreuzfahrthafen.
In den kommenden Jahren werden neue Reedereien erwartet. So wird die Luxusreederei Oceania Cruises ab 2027 erstmals mehrere Anläufe im Cruiseport Bremerhaven durchführen.
Auch etablierte Anbieter wie TUI Cruises oder Phoenix Reisen bleiben wichtige Partner des Standorts.

Fazit: Eine Branche im strategischen Wandel

Das Kreuzfahrt-Podium auf der ITB Berlin machte deutlich: Die Branche befindet sich in einer Phase strategischer Neujustierung.
Neue Zielgruppen, ambitionierte Märkte wie Saudi-Arabien, geopolitische Herausforderungen und steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit verändern das Geschäftsmodell der Kreuzfahrtindustrie.
Gleichzeitig bleibt die Faszination des Reisens auf dem Meer ungebrochen.
Für Beobachter der internationalen Tourismuswirtschaft bleibt die Kreuzfahrtbranche damit eines der spannendsten Segmente des globalen Reisemarktes.

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