Norbulingka in Lhasa

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Norbulingka in Lhasa: Der stille Sommerpalast Tibets

Ein Ort, an dem Tibet plötzlich leiser wird.
Wer einige Tage in Lhasa verbringt, gewöhnt sich schnell an die Intensität dieser außergewöhnlichen Stadt. Pilger umrunden unermüdlich den Barkhor, Gebetsmühlen drehen sich in endlosen Reihen, Räucherwerk liegt in der Luft und vor den großen Klöstern drängen sich Besuchergruppen aus aller Welt.
Dann gibt es Orte wie das Norbulingka.
Nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt scheint hier plötzlich eine andere Zeitrechnung zu gelten. Die Geräusche der Stadt verblassen. Die Wege werden ruhiger. Die Menschen gehen langsamer. Während Lhasa oft voller Bewegung und Eindrücke ist, vermittelt Norbulingka etwas, das auf Reisen selten geworden ist: echte Ruhe.
Genau das war mein stärkster Eindruck bei diesem Besuch. Natürlich fielen sofort die intensiven Farben auf – die roten und goldenen Fassaden, die kunstvoll bemalten Fensterrahmen, die üppigen Grünanlagen vor dem tiefblauen Himmel Tibets. Doch noch nachhaltiger wirkte die Gelassenheit des Ortes.
Norbulingka war einer jener seltenen Plätze, an denen man die Kamera auch einmal sinken lässt und einfach nur sitzt.

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Der Sommerpalast der Dalai Lamas

Norbulingka bedeutet übersetzt „Juwelengarten“ oder „Schatzgarten“. Der Name könnte kaum passender sein. Die Anlage wurde ab 1755 unter dem 7. Dalai Lama errichtet und entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte zur traditionellen Sommerresidenz der Dalai Lamas. Von den 1780er-Jahren bis 1959 verbrachten die geistlichen Oberhäupter Tibets hier die wärmeren Monate des Jahres.
Während der Potala-Palast als politisches und religiöses Machtzentrum diente, war Norbulingka ein Rückzugsort. Ein Ort zum Arbeiten, Studieren, Meditieren und Leben.
Bis heute vermittelt die Anlage genau dieses Gefühl.
Die weitläufigen Gärten, Pavillons, Wohngebäude und Palastanlagen sind nicht monumental im klassischen Sinne. Sie beeindrucken vielmehr durch ihre Harmonie mit der umgebenden Landschaft. UNESCO beschreibt Norbulingka als Meisterwerk tibetischer Kunst und Architektur und nahm die Anlage 2001 als Erweiterung des historischen Ensembles des Potala-Palastes in die Welterbeliste auf. 

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Wie weit ist Norbulingka von Lhasa entfernt?

Eine der angenehmen Überraschungen für Besucher: Norbulingka liegt keineswegs außerhalb der Stadt, sondern am westlichen Rand von Lhasa.
Vom Potala-Palast sind es lediglich etwa zwei Kilometer bis zum ehemaligen Sommerpalast. Vom Barkhor-Viertel oder dem Jokhang-Tempel benötigt man mit dem Taxi meist nur zehn bis fünfzehn Minuten. Wer bereits einige Tage zur Akklimatisierung in Lhasa verbracht hat, kann die Strecke sogar zu Fuß zurücklegen.
Die meisten Besucher erreichen Norbulingka mit dem Taxi oder einem der Stadtbusse. Gerade nach den oft anstrengenden Besichtigungen des Potala-Palastes oder der großen Klöster eignet sich der Besuch hervorragend als ruhiger Gegenpol.

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Farben, die in Erinnerung bleiben

Viele Orte in Tibet werden von ihrer Landschaft geprägt. Norbulingka hingegen lebt von seinen Details.
Die Farben scheinen hier besonders intensiv zu wirken. Vielleicht liegt es am klaren Licht des Hochlands, vielleicht an den kunstvollen tibetischen Verzierungen oder an den alten Bäumen, die im Sommer Schatten spenden.
Goldene Dächer spiegeln das Sonnenlicht wider. Kräftige Rottöne treffen auf sattes Grün. Blaue Fensterrahmen leuchten vor weißen Mauern.
Während viele historische Anlagen in erster Linie durch Größe beeindrucken, entsteht die Wirkung von Norbulingka durch Atmosphäre.
Die Schönheit liegt oft in den Kleinigkeiten: einem bemalten Holzbalken, einer verborgenen Tür, einem Innenhof, in dem sich kaum jemand aufhält.
Gerade Fotografen finden hier unzählige Motive, die nicht sofort ins Auge springen, aber auf den zweiten Blick faszinieren.

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Die vielleicht ruhigste Sehenswürdigkeit Lhasas

Was Norbulingka von vielen anderen Sehenswürdigkeiten Tibets unterscheidet, ist seine überraschende Gelassenheit.
Während sich vor dem Potala-Palast täglich Besuchergruppen sammeln und rund um den Jokhang-Tempel ein nahezu ununterbrochener Strom von Pilgern unterwegs ist, wirkt Norbulingka fast zurückhaltend.
Natürlich kommen auch hier Besucher vorbei. Doch die Anlage verteilt sich auf rund 36 Hektar Parklandschaft. Dadurch entstehen immer wieder ruhige Bereiche, in denen man nahezu allein unterwegs ist.
Vielleicht war genau das der Grund, warum dieser Ort bei mir einen so bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
Nach Tagen voller Eindrücke bot Norbulingka die Möglichkeit, Tibet einmal nicht als spektakuläre Sehenswürdigkeit zu erleben, sondern als stillen Raum.

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Ein Garten für das Hochland

Norbulingka gilt als größte historische Gartenanlage Tibets. Allein das ist bemerkenswert.
Denn wer Tibet bereist, denkt zunächst an karge Hochebenen, Berge und trockene Landschaften. Ein weitläufiger Park voller alter Bäume wirkt hier beinahe überraschend.
Tatsächlich besitzt die Anlage eine besondere Bedeutung innerhalb der tibetischen Gartenkultur. Wasserläufe, Teiche, schattige Wege und sorgfältig angelegte Grünflächen schaffen eine Umgebung, die bewusst als Gegenwelt zur oft rauen Umgebung des Hochlands konzipiert wurde.
Auch deshalb wurde Norbulingka über Generationen hinweg zum bevorzugten Aufenthaltsort der Dalai Lamas während der Sommermonate.

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Warum sich ein Besuch lohnt

Viele Reisende konzentrieren sich in Lhasa auf die großen Namen: Potala-Palast, Jokhang-Tempel, Kloster Drepung oder Sera-Kloster.
Norbulingka wird dabei manchmal übersehen.
Zu Unrecht.
Wer Tibet nicht nur sehen, sondern auch spüren möchte, findet hier einen Ort, der eine andere Seite des Landes zeigt. Weniger spektakulär, weniger überlaufen, aber vielleicht gerade deshalb besonders eindrucksvoll.
Norbulingka erzählt von Kunst, Architektur und Geschichte. Vor allem aber erzählt es von der Fähigkeit eines Ortes, Ruhe auszustrahlen.
Und genau diese Ruhe bleibt lange in Erinnerung.

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