Uplisziche – Georgiens faszinierende Höhlenstadt zwischen Mythos, Geschichte und grandioser Aussicht
Eine Reise in die Vergangenheit
Wer Georgien bereist, begegnet auf Schritt und Tritt einer jahrtausendealten Geschichte. Kaum ein Ort macht das so eindrucksvoll erlebbar wie Uplisziche, eine der ältesten Felsenstädte des Kaukasus. Hoch über dem Fluss Mtkwari erhebt sich diese außergewöhnliche Festungs- und Höhlenstadt, deren Ursprünge bis ins frühe 1. Jahrtausend vor Christus zurückreichen.
Schon beim Betreten der Anlage wird klar: Uplisziche ist weit mehr als eine Ansammlung alter Höhlen. Es ist eine Stadt, die direkt aus dem Sandstein herausgearbeitet wurde und über viele Jahrhunderte zu den wichtigsten religiösen, politischen und wirtschaftlichen Zentren des heutigen Georgiens gehörte.
Wer sich für Geschichte interessiert, wird hier ebenso begeistert sein wie Reisende, die einfach einen außergewöhnlichen Ort entdecken möchten.
Die Festung des legendären Uplos
Der Name Uplisziche bedeutet sinngemäß „Festung des Herrn Uplos“. Uplos gilt als legendärer Sohn des sagenhaften Stammvaters Kartlos, von dem sich auch der georgische Eigenname Sakartwelo ableitet.
Ob Uplos tatsächlich existierte, lässt sich historisch nicht belegen. Dennoch zeigt die Namensgebung, welch hohe symbolische Bedeutung dieser Ort bereits in der Frühgeschichte Georgiens besaß.
Durch seine strategisch günstige Lage an einer wichtigen Handelsroute entwickelte sich Uplisziche zu einer wohlhabenden Stadt. Händler, Pilger und Reisende zogen über Jahrhunderte durch die Region und machten die Felsenstadt zu einem bedeutenden Knotenpunkt zwischen Europa und Asien.
Eine Stadt direkt aus dem Fels
Das Besondere an Uplisziche ist seine Architektur.
Fast sämtliche Gebäude wurden unmittelbar in den weichen Sandstein gehauen. Beim Rundgang erkennt man noch heute ehemalige Wohnräume, Tempel, Weinkeller, Vorratskammern, Versammlungshallen und sogar ein antikes Theater.
Besonders gelungen finde ich die Beschilderung vor Ort. An nahezu jeder Höhle erklären Informationstafeln ihre ursprüngliche Nutzung. Dadurch entsteht beim Spaziergang das Gefühl, nicht durch eine Ruine zu laufen, sondern durch eine längst vergangene Stadt, deren Alltag plötzlich wieder sichtbar wird.
Mit etwas Fantasie lassen sich die Straßen, Plätze und Gebäude wieder mit Leben füllen.
Vom Heidentum zum Christentum
Uplisziche erzählt zugleich die Geschichte eines kulturellen Wandels.
Lange bevor Georgien im 4. Jahrhundert das Christentum annahm, befanden sich hier bedeutende heidnische Kultstätten. Später entstanden christliche Bauwerke direkt neben den älteren Heiligtümern.
Dieser außergewöhnliche Nebeneinander von Religionen macht die Höhlenstadt zu einem seltenen Zeugnis des Übergangs vom Heidentum zum Christentum. Kaum ein anderer Ort in Georgien dokumentiert diesen historischen Wandel so anschaulich.
Ein besonders schöner Abschluss des Rundgangs ist die kleine Kirche auf dem höchsten Punkt der Anlage. Ihre Fresken verleihen dem Bauwerk eine stille Atmosphäre und bilden einen eindrucksvollen Kontrast zu den jahrtausendealten Felsanlagen ringsum.
Beeindruckende Ausblicke über das Mtkwari-Tal
Neben der Geschichte begeistert Uplisziche auch landschaftlich.
Von zahlreichen Aussichtspunkten schweift der Blick weit über das Tal des Mtkwari und die umliegenden Hügel Zentralgeorgiens. Gerade am Vormittag taucht das Licht die Sandsteinfelsen in warme Farben und macht den Ort zu einem Paradies für Fotografen.
Auch wer nicht stundenlang wandern möchte, kommt hier auf seine Kosten. Die Wege innerhalb der Anlage sind zwar teilweise uneben und erfordern festes Schuhwerk, insgesamt ist der Rundgang jedoch auch für weniger geübte Wanderer gut zu bewältigen.
Ein beliebtes Ausflugsziel
Bei meinem Besuch herrschte reger Betrieb. Da in Georgien gerade Schulferien waren, erkundeten zahlreiche Familien die Höhlenstadt.
Dennoch verläuft sich der Besucherandrang erstaunlich gut über das weitläufige Gelände. Wer sich etwas Zeit nimmt und die bekannten Aussichtspunkte kurz hinter sich lässt, findet immer wieder ruhige Ecken, in denen die besondere Atmosphäre des Ortes spürbar wird.
Gerade diese Mischung aus lebendigem Ausflugsziel und jahrtausendealter Geschichte macht den Reiz Uplisziches aus.
Mein Fazit
Uplisziche gehört für mich zu den eindrucksvollsten historischen Orten Georgiens.
Die Kombination aus Festungsstadt, Höhlenarchitektur, religiöser Geschichte und spektakulären Ausblicken macht den Besuch zu einem Erlebnis, das weit über klassische Archäologie hinausgeht.
Besonders gefallen hat mir, dass Geschichte hier nicht hinter Glas präsentiert wird. Man bewegt sich mitten durch Straßen, Tempel und Wohnräume einer längst vergangenen Epoche und kann sich erstaunlich gut vorstellen, wie das Leben hier einst ausgesehen haben muss.
Wer Georgien bereist, sollte Uplisziche deshalb unbedingt in seine Route aufnehmen. Der Ort verbindet Geschichte, Landschaft und Kultur auf eine Weise, die man nur selten erlebt.







