Katskhi-Pfeiler

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Inhalt

Katskhi-Pfeiler – Georgiens geheimnisvollstes Kloster zwischen Himmel und Erde

Ein Felsen, der Fragen aufwirft
Manche Sehenswürdigkeiten beeindrucken durch ihre Größe. Andere durch ihre Geschichte. Der Katskhi-Pfeiler im Westen Georgiens fasziniert vor allem deshalb, weil man ihn kaum begreifen kann.
Mitten in der Landschaft erhebt sich ein rund 40 Meter hoher Kalksteinmonolith nahezu senkrecht in den Himmel. Auf seiner Spitze stehen eine kleine Kirche und ein schlichtes Wohnhaus. Schon beim ersten Anblick stellt sich dieselbe Frage: Wie konnte hier oben überhaupt gebaut werden?
Ich blieb lange vor diesem außergewöhnlichen Ort stehen und blickte immer wieder nach oben. Selbst mit modernen Hilfsmitteln wäre ein Bauprojekt auf dieser schmalen Felskuppe anspruchsvoll. Umso erstaunlicher erscheint es, dass Menschen bereits vor vielen Jahrhunderten in der Lage waren, dort oben eine Klosteranlage zu errichten.
Der Katskhi-Pfeiler gehört zu den eindrucksvollsten Orten, die ich auf meiner Reise durch Georgien besucht habe.

Ein heiliger Ort seit vielen Jahrhunderten

Der Katskhi-Pfeiler ist weit älter als das Kloster selbst. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass der Monolith bereits lange vor der Christianisierung Georgiens eine kultische Bedeutung besaß. Vermutlich diente er schon im 6. Jahrhundert oder sogar früher als heidnischer Verehrungsort.
Mit der Ausbreitung des Christentums wandelte sich seine Bedeutung. Anstelle eines heidnischen Heiligtums entstand auf dem Felsen eine kleine Kirche, die dem Einsiedlerleben und dem Gebet gewidmet war. Im Mittelalter entwickelte sich der Pfeiler zu einem Ort asketischer Spiritualität. Mönche lebten hier abgeschieden von der Welt und suchten die Nähe zu Gott in völliger Einsamkeit.
Diese Tradition wurde nach Jahrhunderten des Verfalls erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts wiederbelebt, als Kirche und Gebäude restauriert wurden.

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Katskhi-Pfeiler mit dem kleinen neuen Kloster im Vordergrund

Das Rätsel der Baukunst

Wie gelangten Baumaterialien, Werkzeuge und Menschen auf die schmale Spitze des Monolithen? Schriftliche Quellen gibt es kaum, und eindeutige archäologische Belege fehlen ebenfalls.
Vermutlich kamen einfache Seil- und Leitersysteme zum Einsatz. Vielleicht wurden hölzerne Gerüste errichtet oder Material in mühevoller Handarbeit nach oben gezogen. Sicher ist jedoch nichts.
Gerade dieses ungelöste Rätsel trägt wesentlich zur Faszination des Ortes bei. Der Katskhi-Pfeiler wirkt wie ein Bauwerk, das den Naturgesetzen trotzt und dennoch seit Jahrhunderten Wind, Regen und Erdbeben standhält.

Ein Gespräch, das viele Internetmythen korrigierte

Besonders bereichernd war für mich die Begegnung mit einem der Mönche, die den Katskhi-Pfeiler betreuen.
Wir kamen ins Gespräch, und ich nutzte die Gelegenheit, nach einigen Informationen zu fragen, die ich zuvor in verschiedenen Reiseberichten gelesen hatte. Dabei stellte sich heraus, dass vieles im Internet inzwischen nicht mehr aktuell ist.
Entgegen zahlreichen Veröffentlichungen lebt heute kein Mönch dauerhaft auf der Spitze des Monolithen. Das kleine Wohnhaus ist zwar vollständig erhalten und bietet Platz für zwei Personen, wird jedoch nicht ständig bewohnt.
Die Kirche wird weiterhin genutzt. Dreimal pro Woche steigen Mönche über die steile Eisenleiter auf den Felsen, um dort gemeinsam zu beten. Danach kehren sie wieder ins Kloster am Fuß des Pfeilers zurück.
Ich freue mich besonders darüber, dass aus diesem Gespräch mehr entstanden ist als nur eine Begegnung während meiner Reise. Der Mönch folgt mir inzwischen über Facebook. Für mich ist das eine schöne Erinnerung daran, dass Reisen manchmal Verbindungen schaffen, die weit über einen kurzen Besuch hinausreichen.

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Zwischen Spiritualität und spektakulärer Landschaft

Der Katskhi-Pfeiler liegt eingebettet in die sanften Hügel der Region Imeretien. Die Umgebung wirkt ruhig und fast meditativ. Gerade dieser Kontrast zwischen der friedlichen Landschaft und dem dramatisch aufragenden Monolithen macht den Ort so außergewöhnlich.
Von unten betrachtet erscheinen Kirche und Wohnhaus beinahe winzig. Erst beim näheren Hinsehen erkennt man die schmale Eisenleiter, die den einzigen Zugang zur Spitze bildet.
Besucher dürfen den Monolithen selbst heute nicht mehr betreten. Dennoch reicht der Blick vom Fuß des Felsens völlig aus, um die Einzigartigkeit dieses Ortes zu erfassen. Für Fotografen bietet der Katskhi-Pfeiler unzählige Perspektiven. Je nach Tageszeit verändern Licht und Schatten den Eindruck des Felsens erheblich.

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Ein Ort voller Fragen

Es gibt Sehenswürdigkeiten, deren Geschichte vollständig erforscht scheint. Der Katskhi-Pfeiler gehört nicht dazu.
Noch immer ist unklar, wie die ersten Bauwerke entstanden. Noch immer ranken sich Legenden um den heiligen Felsen. Und gerade deshalb bleibt genügend Raum für Staunen.
Vielleicht liegt genau darin seine größte Stärke. Der Katskhi-Pfeiler liefert nicht auf jede Frage eine Antwort. Er fordert dazu auf, genauer hinzusehen und sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.

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Mein Fazit

Der Katskhi-Pfeiler war für mich weit mehr als ein spektakuläres Fotomotiv.
Natürlich beeindruckt die ungewöhnliche Architektur. Doch in Erinnerung bleiben vor allem die Geschichten, die dieser Ort erzählt – und die Begegnung mit einem Mönch, der bereit war, manche weitverbreitete Internetlegende richtigzustellen.
In einer Zeit, in der Informationen oft ungeprüft übernommen werden, war dieses persönliche Gespräch besonders wertvoll. Es hat mir einmal mehr gezeigt, dass die spannendsten Geschichten häufig dort entstehen, wo man mit Menschen ins Gespräch kommt.
Wer Georgien bereist, sollte sich den Katskhi-Pfeiler nicht entgehen lassen. Nicht nur wegen seiner spektakulären Erscheinung, sondern auch wegen seiner geheimnisvollen Vergangenheit und seiner bis heute lebendigen Spiritualität.

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