Kunst, Licht und Geschichte in der Provence
Wenn das Schiff am Ufer der Rhône in Arles festmacht, betritt man eine Stadt, in der sich römische Geschichte und moderne Kunstgeschichte auf engstem Raum begegnen. Arles ist kein Freilichtmuseum, sondern eine lebendige südfranzösische Stadt mit rauer Patina, warmem Licht und einem kulturellen Erbe, das weit über die Provence hinausstrahlt.
Für unsere Flusskreuzfahrt auf Saône und Rhône war der Halt in Arles einer der eindrucksvollsten Programmpunkte. Nicht nur wegen der historischen Bauten, sondern wegen eines Mannes, der hier nur 15 Monate lebte – und doch Kunstgeschichte schrieb: Vincent van Gogh.
Arles – römisches Erbe unter südlicher Sonne
Bevor man sich auf die Spuren van Goghs begibt, lohnt ein Blick auf die antike Vergangenheit. Arles war zur Römerzeit eine bedeutende Handelsstadt. Das Amphitheater, die römischen Thermen und das antike Theater zeugen noch heute von dieser Epoche.
Das Amphitheater von Arles, im ersten Jahrhundert nach Christus errichtet, prägt bis heute das Stadtbild. Anders als viele vergleichbare Bauwerke wird es noch immer genutzt – für Veranstaltungen, Konzerte oder traditionelle Feste.
Arles ist UNESCO-Welterbe, aber ohne museale Starre. Zwischen antiken Mauern sitzen Einheimische in Cafés, Motorroller knattern durch enge Gassen, Märkte beleben die Plätze.
Auf den Spuren van Goghs durch die Stadt
Ein ausgeschilderter Rundgang führt zu zentralen Standorten seiner Motive. Vor einigen dieser Orte stehen Reproduktionen der Gemälde, die den direkten Vergleich zwischen damaliger Perspektive und heutiger Realität ermöglichen.
Besonders eindrucksvoll ist der Besuch am ehemaligen Standort des Nachtcafés am Place du Forum. Hier wird deutlich, wie sehr van Gogh mit Farbe und Perspektive arbeitete, um Stimmung zu erzeugen.
Wer sich intensiver mit seinem Werk beschäftigen möchte, sollte die Fondation Vincent van Gogh Arles besuchen. Die Stiftung widmet sich nicht nur van Goghs Werk, sondern auch zeitgenössischer Kunst im Dialog mit seinem Erbe.
Der Garten des heutigen Kulturzentrums Espace van Gogh wurde nach van Goghs Zeichnungen im Gemälde „Le jardin de la maison de Sante a Arles“ angelegt. In dem ehemaligen Krankenhaus wurde van Gogh 1888/1889 behandelt, nachdem er versuchte sich sein Ohr abzuschneiden.
Van Gogh in Arles: 15 Monate, über 300 Werke
Als Vincent van Gogh im Februar 1888 in Arles ankam, suchte er vor allem eines: Licht. Das klare, intensive Sonnenlicht der Provence faszinierte ihn. Innerhalb von nur 15 Monaten entstanden hier mehr als 300 Gemälde und Zeichnungen.
Zu seinen berühmtesten Werken aus dieser Zeit zählen „Das Schlafzimmer in Arles“, „Die Brücke von Langlois“ und mehrere Versionen der „Sonnenblumen“. Auch das heute weltbekannte „Café Terrace at Night“ zeigt ein Motiv aus Arles.
Das berühmte „Gelbe Haus“, in dem van Gogh wohnte und von einer Künstlergemeinschaft träumte, existiert heute nicht mehr. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Dennoch lassen sich viele seiner Motive in der Stadt noch lokalisieren.
Licht, das alles verändert
Was Arles von anderen historischen Städten unterscheidet, ist das Licht. Es ist klar, fast hart, und verändert im Tagesverlauf permanent die Atmosphäre. Morgens wirken die Fassaden kühl und hell, am späten Nachmittag warm und golden.
Dieses Licht ist bis heute ein Magnet für Künstler, Fotografen und Reisende. Es verleiht der Stadt eine visuelle Intensität, die man nicht planen kann – man muss sie erleben.
Arles als Stopp auf der Rhône
Für Flusskreuzfahrten auf der Rhône ist Arles ein idealer Halt. Die Wege vom Anleger in die Altstadt sind kurz, vieles lässt sich zu Fuß erkunden. Zwischen römischen Monumenten, provenzalischen Plätzen und künstlerischer Geschichte entsteht eine besondere Mischung aus Kultur und Alltagsleben.
Der Aufenthalt hier ist kein oberflächlicher Fotostopp, sondern eine Einladung, sich Zeit zu nehmen. Für Kunst. Für Geschichte. Für das südfranzösische Lebensgefühl.
Fazit
Arles ist mehr als die Stadt van Goghs, aber ohne ihn wäre sie nicht dieselbe. Seine Bilder haben das Licht der Provence in die Welt getragen. Wer heute durch Arles geht, bewegt sich durch reale Straßen und zugleich durch kunsthistorische Motive.
Für mich war dieser Halt entlang der Rhône ein intensiver Momente der Reise durch Südfrankreich. Arles verbindet Antike und Moderne, Geschichte und Gegenwart – und zeigt, wie sehr ein Ort einen Künstler prägen kann.







