Wintersportort Gudauri

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Paragliding für Mutige!

Inhalt

Gudauri in Georgien: Skigebiet, Kaukasus und Überraschungen an der Georgischen Heerstraße

Gudauri ist vor allem als Wintersportort bekannt. Skifahrer und Snowboarder kommen wegen der Höhenlage, der weitläufigen Pisten und der Schneesicherheit in den Großen Kaukasus. Ich war allerdings nicht zum Skifahren dort. Mein Besuch in Gudauri war eine Station auf unserer Fahrt über die Georgische Heerstraße und führte mich über den Kreuzpass mitten hinein in die beeindruckende Bergwelt Georgiens.
Dabei habe ich festgestellt: Gudauri ist auch außerhalb der Wintersaison durchaus einen Besuch wert.
Die Landschaft, das berühmte Gudauri-Panorama, Paraglider am Himmel und die vielen historischen Spuren entlang der Straße machen die Region zu einem abwechslungsreichen Reiseziel. Und für Fotografen gibt es ohnehin reichlich Motive.

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Travertin: Georgiens kleines Pamukkale

Eine der auffälligeren Naturerscheinungen entlang der Heerstraße sind die Travertin-Mineralquellen am Kreuzpass.
Die weißen Kalkablagerungen entstehen durch mineralhaltiges Wasser, das über die Gesteinsoberfläche läuft und dabei Kalk ablagert. Dadurch entstehen kleine Terrassen und Rinnen.
Beim ersten Blick musste ich natürlich an Pamukkale in der Türkei denken. „Pamukkale von Georgien“ wäre allerdings vielleicht etwas übertrieben.
Die Travertinquelle liegt unmittelbar an der Straße und ist deshalb unkompliziert zu erreichen. Spektakulär fand ich sie persönlich allerdings nicht. Wer auf der Georgischen Heerstraße unterwegs ist, sollte ruhig einmal anhalten und einen Blick darauf werfen. Einen großen Umweg würde ich dafür jedoch nicht machen.
Für mich gab es wenige Kilometer weiter deutlich mehr zu sehen.

Travertin-Mineralquellen
Travertin-Mineralquellen
Gudauri-Panorama
Gudauri-Panorama

Das Gudauri-Panorama: ein fotografischer Glücksfall

Eines der bekanntesten Fotomotive der Region ist das Denkmal der georgisch-russischen Freundschaft, das auch als Gudauri-Panorama bezeichnet wird.
Das Monument wurde 1983 anlässlich des 200. Jahrestages des Vertrags von Georgievsk errichtet. Die halbkreisförmige Konstruktion öffnet sich zu den Bergen und bietet einen spektakulären Blick über die Landschaft des Großen Kaukasus.
Besonders auffällig ist das große, farbenprächtige Mosaik im Inneren des Monuments. Es zeigt Szenen aus der Geschichte Georgiens und Russlands und entstand eindeutig im politischen Kontext der damaligen Sowjetunion.
Heute ist das Bauwerk vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Architektur, des Mosaiks und seiner grandiosen Lage bekannt.
Bei unserem Besuch zeigte sich der Ort allerdings von einer ganz besonderen Seite. Es hatte gerade mächtig geregnet. Und genau das war für mich als Fotografin ein Glücksfall.

Spiegelbild am Gudauri-Panorama

Regen macht manchmal die besseren Fotos

Rund um das Monument hatten sich große Pfützen gebildet. Das farbenprächtige Mosaik spiegelte sich darin, ebenso Teile der Architektur und der Himmel. Plötzlich hatte ich nicht mehr nur ein interessantes Bauwerk vor mir, sondern gleich zwei. Das eigentliche Motiv und seine Spiegelung.
Ich liebe solche Situationen. Sie lassen sich nicht planen und entstehen oft genau dann, wenn das Wetter eigentlich nicht mitspielen will.
Der Regen hatte die Farben intensiviert, die Luft war klar und die Pfützen wurden zu riesigen natürlichen Spiegeln. Für mich war das Gudauri-Panorama deshalb eines der fotografischen Highlights meiner Georgienreise.

Ein Monument mit komplizierter Geschichte

Bei aller Begeisterung für das Motiv sollte man allerdings nicht vergessen, dass das Freundschaftsmonument eine politische Geschichte besitzt.
Der Vertrag von Georgievsk aus dem Jahr 1783 sollte das Königreich Kartli-Kachetien unter den Schutz des Russischen Reiches stellen. Die tatsächlichen historischen Folgen waren jedoch wesentlich komplexer als die symbolische Darstellung einer dauerhaften russisch-georgischen Freundschaft.
Das Monument selbst entstand während der Sowjetzeit und transportierte entsprechend das damalige politische Geschichtsbild.
Heute kann man es deshalb auf mehreren Ebenen betrachten: als ungewöhnliches Beispiel sowjetischer Monumentalarchitektur, als Kunstwerk, als Aussichtspunkt und als historisches Dokument. Gerade diese Mehrdeutigkeit macht den Ort für mich interessant.

Paragliding in Gudauri
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Paragliding über dem Kaukasus

Direkt beim Gudauri-Panorama gab es noch ein weiteres Spektakel. Paraglider. Überall. Bunte Schirme waren am Himmel zu sehen und schwebten vor der gewaltigen Kulisse des Kaukasus über dem Tal.
Gudauri gilt tatsächlich als einer der bekanntesten Paragliding-Orte Georgiens. Besonders beliebt sind Tandemflüge, bei denen auch weniger erfahrene Besucher die Landschaft aus der Vogelperspektive erleben können.
Die Startplätze liegen hoch über dem Tal. Einer befindet sich in der Nähe des Freundschaftsmonuments, weitere gibt es an den umliegenden Bergen.
Ich selbst blieb lieber mit beiden Füßen auf dem Boden. Als Fotografin war ich allerdings bestens beschäftigt. Die bunten Schirme vor den grauen Wolken und den mächtigen Bergen waren fantastische Motive.

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Unterwegs zum Pass
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Stau vor dem Pass....

Der Kreuzpass: Hochgebirge und Geschichte

Auf unserem Weg nach Gudauri überquerten wir den Kreuzpass, auch Jvari-Pass beziehungsweise Dschwari-Pass genannt. Der Pass liegt auf rund 2.400 Metern Höhe und gehört zu den höchsten Punkten der Georgischen Heerstraße. Heute ist die Überquerung mit dem Auto vergleichsweise komfortabel. Das war nicht immer so.
Die Route über den Kaukasus war schon historisch von großer strategischer Bedeutung. Händler, Reisende, Soldaten und später auch Touristen nutzten die Verbindung zwischen Nord- und Südseite des Kaukasus.
Und dann stößt man hier auf einen Ort, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte.

Ein deutscher Soldatenfriedhof am Jvari-Pass

Auf der Passhöhe befindet sich ein deutscher Soldatenfriedhof beziehungsweise eine Gedenkstätte für deutsche Kriegsgefangene. Mitten in der gewaltigen Berglandschaft wirkt dieser Ort zunächst fast unscheinbar. Doch die Geschichte dahinter ist bedrückend.
Nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich deutsche Kriegsgefangene in Georgien. Einige von ihnen wurden unter schwierigen Bedingungen zu Arbeiten eingesetzt. Die Höhe, extreme Wetterbedingungen, Kälte, Erschöpfung und Unfälle machten die Arbeit in dieser Region besonders hart. Am Kreuzpass erinnert heute eine Gedenkstätte an die dort verstorbenen deutschen Kriegsgefangenen. Für mich war das ein unerwarteter Moment während der Fahrt.
Denn eben noch fotografiert man die spektakuläre Landschaft, das Freundschaftsmonument und die bunten Paraglider. Und plötzlich steht man an einem Ort, der an Krieg, Gefangenschaft, Zwangsarbeit und Tod erinnert. Das verändert den Blick auf die Landschaft.

Soldatenfriedhof am Jvari-Pass 1
Soldatenfriedhof am Jvari-Pass 2

Die Georgische Heerstraße hat viele Geschichten

Gerade deshalb finde ich die Fahrt über die Georgische Heerstraße so interessant. Sie ist heute eine wichtige Verkehrsverbindung und eine beliebte touristische Route. Gleichzeitig führt sie durch eine Landschaft, die seit Jahrhunderten von politischen und militärischen Interessen geprägt wurde. Man fährt durch eine beeindruckende Natur, passiert historische Denkmäler und kommt dabei immer wieder mit sehr unterschiedlichen Kapiteln der Geschichte in Berührung. Gudauri ist nur eine Station dieser Route. Aber eine besonders interessante.

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Gudauri 1

Gudauri: Im Winter Skigebiet, im Sommer Bergkulisse

Gudauri selbst ist heute vor allem als Skigebiet bekannt. Der Ort liegt oberhalb der Baumgrenze und verfügt über ein umfangreiches Netz an Skipisten und Seilbahnen. Die Wintersaison reicht normalerweise von Dezember bis ins Frühjahr. Die Höhenlage sorgt für gute Schneeverhältnisse. Gleichzeitig bietet Gudauri durch die offenen Hänge gute Bedingungen für Freerider. Auch Heli-Skiing gehört zum Angebot der Region.
Ich habe Gudauri allerdings nicht auf Skiern erlebt. Mein Besuch fand im Sommer statt. Und dadurch zeigte sich eine ganz andere Seite des Ortes.
Grüne beziehungsweise hochalpine Landschaft, wechselhaftes Wetter, Wolken, Regen und die spektakulären Berge bestimmen dann das Bild.

Wenn schlechtes Wetter zum Fotowetter wird

Mein Besuch in Gudauri war ein gutes Beispiel dafür, dass schlechtes Wetter nicht unbedingt schlechtes Fotowetter bedeutet. Der Regen hätte theoretisch störend sein können. Stattdessen sorgte er im Anschluss für schöne Wolken, satte Farben und Spiegelungen. Gerade das Gudauri-Panorama hätte bei sonst vermutlich völlig anders gewirkt. Die Pfützen machten aus dem ohnehin spektakulären Motiv eine zusätzliche Bildebene.
Für mich ist das eine der schönen Seiten der Reisefotografie: Man kann das Wetter nicht bestimmen. Aber man kann entscheiden, was man daraus macht.

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Gudauri ist mehr als ein Skigebiet

Wer Gudauri ausschließlich mit Wintersport verbindet, verpasst einiges. Natürlich sind die Skipisten und Liftanlagen die touristische Hauptattraktion des Ortes. Doch die Umgebung bietet wesentlich mehr.
Da ist die Georgische Heerstraße mit ihrer langen Geschichte. Da sind die Travertinquellen am Kreuzpass. Das Gudauri-Panorama mit seinem farbenprächtigen Mosaik. Die Paraglider über dem Tal. Die gewaltige Landschaft des Großen Kaukasus. Und da ist dieser kleine deutsche Soldatenfriedhof, der völlig unerwartet daran erinnert, dass diese beeindruckende Bergwelt auch Schauplatz menschlicher Tragödien war.

Mein Fazit zu Gudauri

Ich war nicht zum Skifahren in Gudauri. Trotzdem hat sich der Besuch für mich sehr gelohnt. Die Travertinquellen waren eher ein kurzer Zwischenstopp. Der deutsche Soldatenfriedhof hat mich nachdenklich gemacht. Die Paraglider waren ein großartiges Fotomotiv.
Der absolute Höhepunkt war für mich aber das Gudauri-Panorama nach dem Regen. Das farbenprächtige Mosaik, die Pfützen, die Spiegelungen, die Berge und die Wolken ergaben eine Szenerie, die ich so nicht hätte planen können. Vielleicht ist Gudauri genau deshalb auch für Nicht-Skifahrer interessant. Man/ich muss nicht auf Brettern stehen, um den Ort zu erleben. Manchmal reicht eine Fahrt über die Georgische Heerstraße, ein bisschen Regen – und eine Kamera.

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