Street Art – Berlin Teufelsberg

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Teufelsberg Berlin: Street Art zwischen Geschichte, Spionage und spektakulären Murals

Wer Street Art liebt und in Berlin unterwegs ist, sollte sich für den Teufelsberg unbedingt Zeit nehmen. Ich habe dort einen halben Tag fotografiert – und selbst das hat kaum gereicht, um die vielen Murals, Details, Ruinen und ungewöhnlichen Perspektiven wirklich auszuschöpfen. Der Teufelsberg ist kein Ort, den man mal eben im Vorbeigehen besichtigt. Hier gibt es auf einem riesigen Gelände so viel zu entdecken, dass man immer wieder stehen bleibt, die Kamera hebt und denkt: Dieses Motiv muss ich auch noch fotografieren.
Dabei ist es gerade die ungewöhnliche Verbindung aus Geschichte und Gegenwart, die den Reiz dieses Ortes ausmacht. Auf dem künstlich aufgeschütteten Berg befindet sich die ehemalige Abhörstation der westlichen Alliierten mit ihren weithin sichtbaren Radarkuppeln. Die verfallenen Gebäude sind heute eine riesige Leinwand für internationale Street Art. Das Berliner Landesdenkmalamt bezeichnet die rund 48.000 Quadratmeter große Anlage als eine der größten Street-Art-Galerien weltweit.

Ein Berg aus den Trümmern Berlins

Die Geschichte des Teufelsbergs beginnt allerdings lange vor dem Kalten Krieg. Während der Zeit des Nationalsozialismus entstand hier der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät. Das Gebäude war Teil der gigantischen Planungen für die nationalsozialistische Umgestaltung Berlins zur sogenannten „Welthauptstadt Germania“. Fertiggestellt wurde das Bauwerk nie.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich das Gelände grundlegend. Der Rohbau wurde beseitigt und auf den Überresten entstand eine riesige Schuttdeponie. Zwischen 1950 und 1972 wurde der Teufelsberg aus den Trümmern des zerstörten Berlin aufgeschüttet. Rund 25 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt kamen dabei zusammen. Heute erhebt sich der künstliche Berg rund 120 Meter über Berlin.

Allein dieser Gedanke macht den Ort schon bemerkenswert: Man steht heute auf einem Berg, der aus den Überresten des kriegszerstörten Berlin entstanden ist, während sich darunter noch Spuren des nie vollendeten nationalsozialistischen Bauprojekts befinden. Erst danach kam die nächste historische Schicht hinzu – der Kalte Krieg.

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Türme auf dem Teufelsberg

Vom Trümmerberg zur Abhörstation

Die erhöhte Lage machte den Teufelsberg für die westlichen Alliierten interessant. Bereits in den 1950er-Jahren nutzten die Briten den Standort mit mobilen Anlagen zur Überwachung des Luftraums. Ab 1962 entstand schließlich die feste amerikanisch-britische Abhörstation, die bis zum Ende des Kalten Krieges immer weiter ausgebaut wurde.
Die sogenannte Field Station Berlin war ein wichtiger Bestandteil der westlichen Nachrichtenaufklärung. Von hier aus wurde Kommunikation aus dem Osten überwacht und ausgewertet. Die markanten Radarkuppeln wurden zum Wahrzeichen des Ortes und sind bis heute weit über Berlin hinweg sichtbar.
Mit dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kalten Krieges verlor die Anlage ihre militärische Bedeutung. 1992 wurde die Abhörstation aufgegeben. Danach gab es verschiedene Ideen für eine neue Nutzung – unter anderem Hotel, Wohnungen, Museum und Gastronomie. Keine dieser großen kommerziellen Planungen wurde umgesetzt. Stattdessen verfielen die Gebäude zunehmend und wurden schließlich von Künstlern entdeckt.

Heute ist Street Art das neue Gesicht des Teufelsbergs

Was für ein Glück, dass es anders gekommen ist. Denn heute gehört der Teufelsberg zu den spannendsten Street-Art-Orten Berlins. Internationale Künstler haben die Betonflächen, Treppenhäuser und Fassaden mit großformatigen Murals und unterschiedlichsten Arbeiten verwandelt. Die ehemalige Spionageanlage ist zu einer lebendigen Open-Air-Galerie geworden, in der ständig neue Kunst entsteht und ältere Arbeiten teilweise wieder verschwinden oder überarbeitet werden.
Beim Rundgang begegnet man unter anderem Arbeiten von Dan Kitchener, DeVito, Hoya, Otto Schade, HERAKUT und Benzi Brofman – und damit Künstlern mit sehr unterschiedlichen Handschriften. Genau diese Mischung macht den Reiz aus. Manche Werke sind riesig und schon von weitem sichtbar, andere entdeckt man erst, wenn man um eine Ecke geht oder den Blick einmal nach oben richtet.
Dan Kitchener ist beispielsweise für seine atmosphärischen, von nächtlichen Großstädten inspirierten Szenen bekannt. Otto Schade arbeitet mit seinen charakteristischen Linienstrukturen, während HERAKUT Kunst häufig mit gesellschaftlichen Themen und starken Figuren verbindet. Dazwischen finden sich zahlreiche weitere Arbeiten internationaler Künstler. Die offizielle Street-Art-Tour des Teufelsbergs widmet sich genau dieser Vielfalt und der Entwicklung des Geländes zur Kunstgalerie.
Für mich als Fotografin ist das Gelände deshalb ein Traum. Es gibt nicht den einen perfekten Fotospot, sondern unzählige Möglichkeiten: große Wandbilder, kleine Details, ungewöhnliche Ausschnitte, Strukturen, Farben, Rost, Beton, Pflanzen und immer wieder diese faszinierenden Radarkuppeln. Wer fotografieren möchte, sollte sich deshalb nicht hetzen lassen.

Historie und Street Art – genau diese Mischung macht den Reiz

Ich hatte glücklicherweise eine Führung gebucht. Das kann ich wirklich empfehlen, denn ohne die historischen Hintergründe würde man den Teufelsberg zwar als spektakuläre Street-Art-Location erleben, aber einen großen Teil seiner Faszination verpassen.
Während der Führung wird deutlich, wie viele Geschichten an diesem Ort übereinanderliegen: nationalsozialistische Großmachtfantasien, Krieg und Zerstörung, der Wiederaufbau Berlins, die Spionagegeschichte des Kalten Krieges, der Abzug der Alliierten und schließlich die Entwicklung zu einem Ort für Kunst und Kultur. Genau diese verschiedenen Zeitschichten machen den Teufelsberg so besonders. Die heutige Nutzung als Street-Art-Galerie ist dabei keineswegs losgelöst von der Vergangenheit – sie setzt gewissermaßen eine neue, sehr bunte Schicht auf eine ausgesprochen komplizierte Geschichte.
Auch die Ausstellung „Declassified – Das Geheimnis des Teufelsbergs“ sollte man bei einem Besuch nicht einfach links liegen lassen. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Ortes und der ehemaligen Abhörstation und verbindet Fotografien, Filme, Audiostationen, Installationen und Zeitzeugenberichte. Der Besuch ist im regulären Eintritt enthalten.

Pfützenglück bei Sonnenschein

Mein Besuch selbst fand übrigens bei schönstem Sonnenschein statt. Nur vom vorherigen Regen waren noch zahlreiche Pfützen auf dem Gelände übrig – und darüber habe ich mich als Fotografin mindestens genauso gefreut wie über das gute Wetter.
Ich liebe Spiegelungen in Pfützen. Plötzlich wird aus einem Mural auf einer Betonwand ein völlig neues Motiv, wenn es sich im Wasser spiegelt. Farben und Formen bekommen eine zweite Ebene, und manchmal entstehen dadurch Bilder, die mit dem ursprünglichen Kunstwerk kaum noch etwas gemeinsam haben.
Gerade am Teufelsberg lohnt es sich deshalb, nicht nur auf die großen Wandbilder zu schauen. Der Boden kann genauso interessant sein wie die Fassade. Ein bisschen Fotografenglück gehört eben auch dazu.

Ein halber Tag ist eigentlich das Minimum

Mein Eindruck nach diesem Besuch: Wer den Teufelsberg wirklich erleben und dabei fotografieren möchte, sollte mindestens einen halben Tag einplanen. Die Anlage ist groß, und die Street Art lässt sich nicht sinnvoll im Schnelldurchlauf entdecken. Dazu kommen die Ausstellungen, die historischen Informationen und natürlich die Aussicht über Berlin.
Besonders beeindruckend sind die Türme der ehemaligen Abhörstation. Sie sind schon aus der Ferne eine Landmarke und oben angekommen eröffnet sich ein weiter Blick über Berlin und den Grunewald. Der Teufelsberg ist mit rund 120 Metern eine der höchsten natürlichen beziehungsweise künstlichen Erhebungen Berlins und bietet entsprechend spektakuläre Perspektiven.
Wer allerdings nicht ganz schwindelfrei ist, sollte sich den Weg nach oben vorher genau anschauen. Im hinteren Bereich des Hauptgebäudes gibt es eine freie Stahltreppe, die für Menschen mit Höhenangst durchaus unangenehm sein kann. Mein Tipp: lieber die Betontreppe benutzen und für den Rückweg ebenfalls die Betontreppe nehmen. Dann kann man sich entspannt auf die Kunst und die Aussicht konzentrieren.

Mein Fazit: Berlin kann richtig cool sein

Der Teufelsberg ist für mich einer dieser Berliner Orte, die man nicht einfach als Sehenswürdigkeit abhakt. Dafür ist er viel zu widersprüchlich und viel zu spannend.
Hier treffen die Trümmergeschichte des Nachkriegs-Berlins, die Vergangenheit der nationalsozialistischen Wehrtechnischen Fakultät, die Spionagegeschichte des Kalten Krieges und internationale zeitgenössische Kunst unmittelbar aufeinander. Ausgerechnet eine ehemalige Abhörstation ist heute eine der größten Street-Art-Galerien weltweit.
Und genau das funktioniert erstaunlich gut.
Zwischen bröckelndem Beton und leuchtenden Murals, zwischen alten Radarkuppeln und moderner Kunst, zwischen Wald und Großstadtblick entsteht eine Atmosphäre, die man so wohl kaum ein zweites Mal findet.
Für mich war der Teufelsberg ein großartiger Fototag – und definitiv einer der spannendsten Street-Art-Spots, die ich in Berlin besucht habe.
Wer Street Art liebt, sollte ihn nicht nur besuchen, sondern sich wirklich darauf einlassen. Zeit mitbringen, eine Führung buchen, die Ausstellungen anschauen, die Kamera einpacken – und nach dem nächsten Regen vielleicht auch ein bisschen auf Pfützenglück hoffen.

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