Batumi: Eine Stadt am Schwarzen Meer, die mich überrascht hat
Batumi hatte bei meiner Georgienreise nicht unbedingt den besten Ruf. Wer sich vor einer Reise durch die einschlägigen Berichte im Internet liest, stößt erstaunlich häufig auf Warnungen: zu touristisch, zu viel Beton, zu viele Hochhäuser, zu wenig georgisches Flair. Manche empfehlen sogar, Batumi bei einer Georgienreise einfach auszulassen.
Ich sehe das komplett anders. Batumi lohnt sich. Und zwar durchaus. Ich hätte problemlos noch zwei oder drei Tage länger bleiben können. Vielleicht liegt das daran, dass ich Städte am Meer grundsätzlich mag. Eine Stadt am Wasser hat für mich immer einen eigenen Rhythmus. Da sind der Hafen, die Schiffe, der Wind, die Möwen, die Promenade und natürlich das Meer. Gleichzeitig ist Batumi eine Stadt voller Gegensätze: historische Häuser stehen neben modernen Hochhäusern, prächtige Fassaden neben etwas in die Jahre gekommenen Plattenbauten, restaurierte Altstadt neben Baustellen.
Gerade diese Mischung hat mir gefallen.
Batumi: Meer, Architektur und ganz viel Kontrast
Batumi liegt an der georgischen Schwarzmeerküste in der Region Adscharien und ist heute eine der wichtigsten Städte des Landes. Die Stadt verbindet eine lange Geschichte mit einer ausgesprochen modernen Entwicklung. Besonders im historischen Zentrum sind noch zahlreiche Gebäude aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert erhalten. Europäische, neoklassizistische, eklektizistische und orientalische Einflüsse mischen sich hier auf erstaunlich engem Raum.
Und dann stehen da plötzlich Hochhäuser.
Batumi ist deshalb keine Stadt, deren Schönheit sich beim ersten Blick unbedingt jedem erschließt. Sie muss ein bisschen entdeckt werden. Und genau das macht sie für mich als Fotografin interessant.
Ich mag Städte, die nicht aussehen, als hätte jemand sie für einen Hochglanzprospekt aufgeräumt.
Alt-Batumi: vieles noch „in progress“
Besonders gut gefallen hat mir Alt-Batumi.
Hier sind viele historische Häuser bereits aufwendig saniert und herausgeputzt. Andere befinden sich noch mitten in der Renovierung. Manchmal steht eine frisch restaurierte Fassade direkt neben einem Gebäude, bei dem offensichtlich noch einiges zu tun ist. „In progress“ trifft es ziemlich gut.
Aber gerade dadurch bekommt man einen Eindruck davon, wie sich Batumi verändert. Die historische Bausubstanz wird zunehmend wiederentdeckt und restauriert, während gleichzeitig eine moderne Stadt mit Hochhäusern, Hotels und neuen Wohnanlagen entsteht. Das historische Zentrum bewahrt dabei erstaunlich viele unterschiedliche architektonische Einflüsse. Für Fotografen ist das natürlich ein Geschenk.
Und dann sind da die Wäscheleinen
Was mich allerdings mindestens genauso begeistert hat wie die Architektur, waren die Wäscheleinen.
Samstag und Sonntag scheinen in Batumi Waschtage zu sein. Zumindest hatte ich diesen Eindruck. Noch nie habe ich in einer Stadt so viele voll behängte Wäscheleinen an Hausfassaden und auf Balkonen gesehen.
Zwischen prachtvollen historischen Gebäuden und modernen Hochhäusern flatterten Handtücher, Bettwäsche, Kleidung und sonstige private Textilien im Wind.
Andere hätten vermutlich die spektakuläre Architektur fotografiert. Ich natürlich auch.
Aber irgendwann waren die Wäscheleinen einfach zu verlockend. Sie erzählen schließlich mindestens genauso viel über eine Stadt wie ihre Sehenswürdigkeiten. Und vielleicht sogar mehr über den Alltag der Menschen.
Der Fischmarkt: Batumi ganz ursprünglich
Einer meiner Lieblingsorte in Batumi war der Fischmarkt. Schon deshalb, weil hier ein ganz anderes Batumi zu sehen ist. Kein glitzerndes Hochhaus, keine Designfassade, kein auf Hochglanz polierter Boulevard. Stattdessen Fisch, Fischer, Händler, Eis, Kisten und jede Menge Leben.
Der Fischmarkt liegt direkt an der Küste und bietet frischen Fisch und Meeresfrüchte aus dem Schwarzen Meer. Angeboten werden unter anderem Sardellen, Meerbarben, Wolfsbarsch, Dorade, Garnelen, Muscheln, Krabben und verschiedene andere Fischarten. Angeschlossene kleine Restaurants bereiten die Einkäufe auf Wunsch direkt zu.
Für mich war der Markt vor allem ein großartiger Ort zum Fotografieren. Und ja: Man konnte sogar frische Austern essen. Das hat den Besuch natürlich noch ein bisschen attraktiver gemacht.
Gerade solche Orte mag ich auf Reisen. Sie sind nicht inszeniert, sondern gehören zum täglichen Leben einer Stadt. Und für mich sind sie oft interessanter als die perfekte Sehenswürdigkeit.
Die St.-Nikolaus-Kirche
Nicht weit von der Piazza befindet sich die St.-Nikolaus-Kirche, eine der ältesten Kirchen Batumis.
Sie wurde ab 1865 von der griechischen Gemeinde Batumis errichtet. Die Geschichte der Kirche ist eng mit der damaligen Situation Batumis unter osmanischer Herrschaft verbunden. Die erste Liturgie wurde 1871 gefeiert. Nach Unterbrechungen während der Sowjetzeit wurde die Kirche später wieder für Gottesdienste geöffnet und restauriert.
Bei meinem Besuch war sie erstaunlich stark frequentiert. Das hat mir gefallen. Eine Kirche, die nicht nur als Sehenswürdigkeit für Touristen existiert, sondern tatsächlich genutzt wird, wirkt für mich sofort anders.
Piazza: ein bisschen Italien am Schwarzen Meer
Die Piazza gehört zu den schönsten Plätzen in Alt-Batumi. Der Platz ist italienisch inspiriert und von historischen Gebäuden, Restaurants und Cafés umgeben. Besonders auffällig ist der große Mosaikboden in der Mitte.
Über allem thront der Uhrenturm. Die Piazza ist einer dieser Orte, an denen man einfach ein bisschen sitzen und schauen kann. Menschen kommen und gehen, Touristen fotografieren, Cafés sind besetzt und irgendwo läuft Musik. Batumi kann hier fast ein bisschen mediterran wirken.
Die astronomische Uhr – made in Germany
Eine weitere Besonderheit in der Altstadt ist die astronomische Uhr. Sie zeigt nicht nur die Uhrzeit an, sondern liefert zusätzlich astronomische Informationen, unter anderem zu Sonne, Mond, Tierkreiszeichen und Planeten. Auch Meridian, Horizont, Sonnenbewegung und Mondalter lassen sich an der Uhr ablesen.
Und jetzt kommt der kleine deutsche Moment:
Die Uhr wurde 2010 in Deutschland hergestellt.
Sie gehört inzwischen zu den auffälligen Sehenswürdigkeiten der Altstadt und ist natürlich auch ein dankbares Fotomotiv.
Europaplatz und Medea
Vom alten Zentrum führt der Weg zum Europaplatz. Er gehört zu den zentralen Plätzen Batumis und ist von historischen Gebäuden aus dem 19. und 20. Jahrhundert umgeben.Im Mittelpunkt steht das Medea-Denkmal.
Die Figur der Medea erinnert an die antike Geschichte Kolchiens, jener Region, die mit dem Mythos vom Goldenen Vlies verbunden ist. Medea steht auf einer hohen Säule und hält das Goldene Vlies in ihren Händen.
Für mich war aber auch die Architektur rund um den Platz interessant. Besonders ins Auge fiel mir die Fassade eines historischen Gebäudes, in dem sich früher die Nationalbank befand. Das große runde Buntglasfenster und die eklektizistische Gestaltung machen das Gebäude zu einem ausgesprochen schönen Fotomotiv.
Auch die Bronzestatue von Memed Abashidze gehört für mich zu den interessanten Details der Stadt. Der georgische Politiker, Schriftsteller und Publizist spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte Adscharas.
Theaterplatz und Neptun
Ein weiterer schöner Platz ist der Theaterplatz vor dem Batumi Drama Theatre. Hier steht der goldfarbene Neptunbrunnen, eine Replik der berühmten Neptun-Skulptur in Bologna. Die Figur des Neptun steht in der Mitte des Brunnens, umgeben von vier Nereiden.
Direkt dahinter beziehungsweise daneben befindet sich das Batumi Ilia Chavchavadze State Drama Theatre. Das Theater trägt den Namen des bedeutenden georgischen Schriftstellers und Politikers Ilia Chavchavadze. Die Theatertradition Batumis reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück; die moderne professionelle Theatergeschichte der Stadt begann 1879.
In der Nähe steht auch das Denkmal für Ilia Chavchavadze.
Für mich ist diese Gegend ein schönes Beispiel dafür, wie Batumi historische Kultur, Architektur und modernes Stadtleben miteinander verbindet.
Die Kathedrale der Mutter Gottes
Eine völlig andere architektonische Sprache spricht die Kathedrale der Mutter Gottes.
Das Gebäude wirkt mit seinen Türmen, Spitzbögen und ornamentalen Details fast wie aus einer europäischen Stadt versetzt. Tatsächlich wurde die Kirche Ende des 19. Jahrhunderts ursprünglich als katholische Kirche errichtet. Die Zubalashvili-Brüder finanzierten den Bau, der im neugotischen Stil ausgeführt wurde. Später wurde das Gebäude der orthodoxen Kirche übergeben und ist heute die Kathedrale der Eparchie Batumi und Lazeti.
Gerade dieser westlich geprägte Kirchenbau mitten in Georgien zeigt einmal mehr, wie international die Geschichte Batumis ist.
Batumi Tower: nachts besonders spektakulär
Eine völlig andere architektonische Sprache spricht die Kathedrale der Mutter Gottes.
Das Gebäude wirkt mit seinen Türmen, Spitzbögen und ornamentalen Details fast wie aus einer europäischen Stadt versetzt. Tatsächlich wurde die Kirche Ende des 19. Jahrhunderts ursprünglich als katholische Kirche errichtet. Die Zubalashvili-Brüder finanzierten den Bau, der im neugotischen Stil ausgeführt wurde. Später wurde das Gebäude der orthodoxen Kirche übergeben und ist heute die Kathedrale der Eparchie Batumi und Lazeti.
Gerade dieser westlich geprägte Kirchenbau mitten in Georgien zeigt einmal mehr, wie international die Geschichte Batumis ist.
Auch das Sheraton sieht nachts gut aus
Apropos Nachtfotografie: Auch das Sheraton Hotel hat mir bei Dunkelheit ausgesprochen gut gefallen.
Überhaupt lohnt es sich, Batumi nicht nur am Tag zu erkunden. Wenn die Fassaden beleuchtet werden, die Plätze voller Menschen sind und sich die Lichter im Wasser spiegeln, verändert sich die Stadt. Aus einer etwas wilden Mischung aus Alt und Neu wird dann plötzlich eine ziemlich beeindruckende Bühne.
Mit der Seilbahn über Batumi
Wer Batumi von oben sehen möchte, kann mit der Argo-Seilbahn auf den Anuria-Berg fahren. Die Fahrt bietet einen großartigen Blick über die Stadt, das Schwarze Meer und die umliegenden Berge.
Allerdings sollte man wissen: Für Menschen mit Höhenangst ist die Sache nicht unbedingt entspannend.
Ich würde das Riesenrad übrigens gleich mit auf die Liste setzen. Auch dort gilt: Höhenangst besser zu Hause lassen.
Der Hafen und das Meer
Batumi ist eine Hafenstadt. Das merkt man. Der Hafen gehört historisch zu den wichtigsten Bereichen der Stadt und ist eng mit der Entwicklung Batumis als Handels- und Hafenstadt verbunden. Ich hätte unglaublich gern noch eine Bootsfahrt gemacht. Leider reichte meine Zeit dafür nicht. Was ich dafür hatte, war Meerblick. Und das ist ja auch schon ziemlich viel.
Denn genau das macht für mich den besonderen Reiz von Batumi aus: Man kann durch die Altstadt laufen, fotografiert fünf Minuten später einen Wolkenkratzer und steht kurz danach am Schwarzen Meer.
Batumi Boulevard: sieben Kilometer am Meer
Der Batumi Boulevard zieht sich über rund sieben Kilometer an der Küste entlang. Seine Geschichte begann bereits 1881. Heute ist er eine Mischung aus Park, Promenade, Freizeitbereich und Treffpunkt. Es gibt Cafés, Restaurants, Skulpturen, Brunnen, Grünanlagen und natürlich immer wieder den Blick aufs Meer.
Besonders bekannt sind die weißen Kolonnaden am Eingang des Boulevards. Sie gehören zu den klassischen Fotomotiven Batumis und markieren gewissermaßen den Übergang von der Stadt zum Meer.
Für mich ist so ein Boulevard genau das, was eine Stadt am Wasser braucht. Man kann laufen, sitzen, schauen und einfach ein bisschen dem Meer zusehen.
Baden in Batumi: Meer ja, Strand mit Einschränkungen
Natürlich stellt sich bei einer Stadt am Schwarzen Meer die Frage: Kann man in Batumi eigentlich baden? Ja, selbstverständlich.
Der zentrale Stadtstrand zieht sich entlang des Boulevards. Allerdings handelt es sich überwiegend um einen Kiesstrand, nicht um feinen Sandstrand. In der Hauptsaison kann es dort außerdem ziemlich voll werden. Es gibt Strandabschnitte mit Liegen, Sonnenschirmen und Gastronomie.
Wer in Batumi wohnt und vor allem wegen des Meeres kommt, hat allerdings Alternativen.
Südlich der Stadt liegen Gonio und Kvariati, zwei beliebte Badeorte mit klarerem Wasser und einer etwas anderen Atmosphäre. Gonio liegt etwa 15 Kilometer von Batumi entfernt; Kvariati rund 17 Kilometer. Beide Strände sind von Bergen und grüner Landschaft eingerahmt. Kvariati ist zudem für Tauchen bekannt.
Noch weiter südlich liegt Sarpi, unmittelbar an der türkischen Grenze.
Und wer unbedingt Sand möchte, fährt eher Richtung Ureki oder Shekvetili. Dort gibt es Sandstrände, während die Küste direkt in Batumi vor allem von Kies geprägt ist.
Ich habe es allerdings nicht geschafft, diese Badeorte selbst auszuprobieren. Ich hatte schlicht zu wenig Zeit.
Und was habe ich stattdessen gemacht?Wäscheleinen fotografiert. Ich bereue nichts.
Fadiko Gogitidze: eine Pionierin der Luftfahrt
Eine Entdeckung, die mir besonders gefallen hat, war das Denkmal für Fadiko Gogitidze im historischen 6. Mai Park.
Gogitidze war Georgiens erste Pilotin. Sie wurde 1916 geboren, absolvierte in den 1930er-Jahren ihre Ausbildung an der Flugschule in Tiflis und arbeitete anschließend unter anderem als Fluglehrerin beim Batumi Aeroclub. Ihr erster Flug fand 1936 statt. 1940 kam sie bei einem Testflug in Batumi ums Leben.
Ich mag solche Denkmäler, die nicht unbedingt zu den großen touristischen Highlights gehören. Sie erzählen eine Geschichte über Menschen, die eine Stadt und ein Land geprägt haben
Batumi muss nicht jedem gefallen
Ich kann durchaus verstehen, warum Batumi polarisiert. Wer eine klassische georgische Stadt mit niedrigen historischen Häusern, engen Gassen und möglichst wenig moderner Architektur sucht, wird vielleicht nicht sofort begeistert sein.
Batumi ist anders. Hier stehen Plattenbauten neben Gründerzeitarchitektur, historische Kirchen neben futuristischen Hochhäusern, kleine Läden neben Luxushotels und alte Wäscheleinen neben spektakulären Lichtinstallationen.
Manches ist wunderschön restauriert, anderes wartet noch darauf. Manches wirkt überdimensioniert, anderes wunderbar nostalgisch.
Und genau darin liegt für mich der Reiz.
Mein Batumi-Fazit
Entgegen vieler eher negativer Berichte, die ich vor meiner Reise gelesen hatte, hat mir Batumi ausgesprochen gut gefallen. Nicht, weil die Stadt perfekt wäre. Ganz im Gegenteil.
Ich mochte gerade die Gegensätze. Ich mochte die Mischung aus Meer, Altstadt, Hafen, Kirchen, Hochhäusern, Plattenbauten, Cafés, Märkten und Denkmälern. Ich mochte die nächtliche Beleuchtung, die Wäsche auf den Balkonen und den Fischmarkt. Ich mochte die Tatsache, dass man an einem Tag sehr unterschiedliche Seiten der Stadt entdecken kann.
Und ich hatte ständig das Gefühl, dass ich eigentlich noch nicht fertig bin.
Noch ein Spaziergang durch Alt-Batumi. Noch einmal zum Fischmarkt. Eine Bootsfahrt. Ein Ausflug nach Gonio oder Kvariati. Vielleicht ein Bad im Schwarzen Meer. Noch ein Abend am Boulevard.
Zwei oder drei Tage länger hätte ich durchaus bleiben können.
Für mich ist Batumi deshalb keine Stadt, die man bei einer Georgienreise einfach abhaken oder auslassen sollte. Im Gegenteil: Wer sich auf die Widersprüche dieser Stadt einlässt, kann hier ziemlich viel entdecken. Und wer mich fragt, was mir aus Batumi besonders im Gedächtnis geblieben ist, bekommt wahrscheinlich eine etwas überraschende Antwort: Das Meer, der Fischmarkt – und die Wäscheleinen.







